Available Light bei Portraits: 10 Lichtsituationen und wie ich sie fotografiere

WERBUNG / AFFILIATE-LINKS – Dieser Artikel enthält Affiliate-Links von Amazon und Calumet. Kaufst du darüber, erhalte ich ggf. eine kleine Provision; für dich ändert sich am Preis nichts. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

„Available Light" klingt nach Verzicht: kein Blitz, kein Reflektor, kein Studio. Für mich ist es das Gegenteil. Available Light bedeutet nicht, mit dem Licht auszukommen, das zufällig da ist. Es bedeutet, das vorhandene Licht zu lesen – und dann Model, Perspektive und Hintergrund so lange anzupassen, bis es für das Portrait arbeitet.

Die fünf Bilder unten sind alle ohne zusätzliches Licht entstanden. Trotzdem haben sie fast nichts gemeinsam: bewölkter Himmel, offener Schatten, gefiltertes Waldlicht, warmes Gegenlicht und kühles Restlicht in der Blauen Stunde. Alles vorhandenes Licht – fünf völlig unterschiedliche Ergebnisse.

Janine · Caro · Anja · Silvana · Tea – fünf verschiedene Lichtsituationen

Genau darum geht es in diesem Artikel. Nicht um Golden Hour als Allheilmittel, sondern um die zehn Lichtsituationen, die mir bei Portraitshootings in Regensburg, Schwandorf und rund um den Steinberger See tatsächlich begegnen. Für jede beschreibe ich, woran du sie erkennst, wo die typische Falle liegt und wohin ich das Model stelle.

Die 10 Lichtsituationen im Überblick

  1. Bewölkter Himmel

  2. Offener Schatten

  3. Waldlicht

  4. Direktes Sonnenlicht

  5. Seitenlicht

  6. Fensterlicht

  7. Gegenlicht

  8. Golden Hour

  9. Blue Hour und Low-Light-Shootings

  10. Reflektiertes Licht

Drei Fragen, die ich an jeder Location zuerst stelle

Bevor ich überhaupt die Kamera auspacke, beantworte ich drei Fragen. Mit etwas Übung dauert das zehn Sekunden:

  • Woher kommt das Licht? Nicht „von der Sonne", sondern von welcher Fläche: offener Himmel, Fenster, helle Hauswand, Wasser?

  • Wie groß ist die Lichtquelle im Verhältnis zum Gesicht? Groß und nah macht weich. Klein und weit weg macht hart. Mit Helligkeit hat das nichts zu tun.

  • Wie stark ist der Unterschied zwischen Licht und Schatten? Das ist der Kontrast – und der entscheidet, wie ein Gesicht wirkt.

Der schnellste Test dafür ist deine eigene Hand: auf Gesichtshöhe halten, langsam drehen und auf die Schattenkante an den Fingern schauen. Ist sie scharf, ist das Licht hart. Wandert der Übergang über mehrere Zentimeter, ist es weich. Das mache ich an jeder neuen Location, bevor ich das Model positioniere.

Mein Available-Light-Setup (Werbung) Mehr als das brauche ich für ein komplettes Portraitshooting mit vorhandenem Licht nicht:

  • Sony a7R V – meine Hauptkamera seit 2026 · Amazon | Calumet

  • Sigma 35 mm f/1.4 DG HSM Art – für alles, was mit dem Ort zu tun hat · Amazon | Calumet

  • Sigma 85 mm f/1.4 DG DN Art – für den Großteil meiner Portraits · Amazon | Calumet

Die Sony a7 III war sechs Jahre lang meine Hauptkamera und ist heute mein Backup. Warum ich zwei Festbrennweiten statt eines Zooms nutze, erkläre ich in warum ich 35 und 85 mm kombiniere.

1. Bewölkter Himmel – die einfachste Lichtsituation für Portraits?

Kurz gesagt: Ein geschlossen bedeckter Himmel ist eine Softbox in der Größe der Landschaft. Das Licht ist weich, Schatten sind kaum vorhanden, die Haut wirkt ruhig. Damit das Portrait trotzdem Tiefe bekommt, brauchst du eine Kante, die dem Licht eine Richtung gibt.

Wenn ich mir eine Wetterlage aussuchen dürfte und Golden Hour nicht zur Wahl stünde, würde ich einen grauen Tag nehmen. Die Wolkendecke macht aus der kleinen, harten Sonne eine riesige, flächige Lichtquelle. Es gibt keine störenden Schlagschatten, Hauttöne sehen gleichmäßig aus, und die Helligkeit ändert sich an der Location kaum. Du kannst zwischen Wiese, Waldrand und Weg wechseln, ohne jedes Mal die Belichtung neu zu denken. Das Model kann sich freier drehen, weil fast jede Richtung funktioniert.

Der praktische Vorteil ist Zeit. Bei Sonne verbringe ich einen großen Teil des Shootings damit, Schatten zu suchen und Belichtungen anzupassen. Bei geschlossener Wolkendecke stelle ich einmal ein und kümmere mich danach um die Person vor der Kamera. Gerade für Models mit wenig Erfahrung ist das ein spürbarer Unterschied: Ich schaue sie an statt aufs Display.

Sophia in weißer Bluse und schwarzer Hose vor unscharfem Grün mit gelben Blüten, beleuchtet von weichem Tageslicht.

Sophia – bewölkter Himmel

Einfach heißt aber nicht automatisch gut. Steht die Person unter komplett offenem Himmel, kommt das Licht vor allem von oben. Die Augenhöhlen werden dunkel, die Catchlights fehlen, das Gesicht wirkt flach – dasselbe Problem wie mittags, nur in weich. Die Lösung sind zwei Schritte an eine Kante: Ein Baum, eine Hauswand oder ein Durchgang nimmt das Licht von oben weg. Was übrig bleibt, kommt seitlich aus der offenen Seite und modelliert das Gesicht.

Und noch etwas: Auch ein bedeckter Himmel ist nicht überall gleich hell. Dort, wo die Sonne hinter den Wolken steht, ist er deutlich heller. Wenn du einmal bewusst hinschaust, siehst du es. Dorthin dreht sich das Gesicht.

Was einem grauen Tag fehlt, ist Dramatik. Die musst du dir über Komposition, Farbe und Location holen – ein dunklerer Hintergrund, ein kräftiger Farbakzent im Outfit, klare Linien.

So arbeite ich bei bewölktem Himmel:

  • Model an eine Baum-, Haus- oder Torkante stellen statt auf die freie Fläche

  • Gesicht langsam zur hellsten Himmelszone drehen und am Display vergleichen

  • einen Hintergrund wählen, der dunkler ist als das Gesicht – das gibt dem flachen Licht Struktur

  • Belichtung einmal festlegen und über die Serie konstant halten

Janine, Jennifer, Anja und Brigitta – bewölkter Himmel bei verschiedenen Shootings

Gerade wenn es grau und spät wird, geben mir lichtstarke Festbrennweiten Reserven. Mit Blende 1.4 bleibe ich auch an einem dunklen Novembertag bei kurzen Verschlusszeiten, ohne die ISO ausreizen zu müssen – mit dem Sigma 35 mm f/1.4 bei Amazon | Calumet (Werbung) für die Umgebung und dem Sigma 85 mm f/1.4 bei Amazon | Calumet (Werbung) für engere Portraits.

2. Offener Schatten – mein wahrscheinlich häufigstes Portraitlicht

Kurz gesagt: Offener Schatten ist Schatten mit freiem Himmel daneben – an einer Hauskante, unter einem Torbogen, am Waldrand. Die Sonne trifft das Gesicht nicht direkt, der helle Himmel ist trotzdem die Lichtquelle. Entscheidend ist, dass das Gesicht zur offenen Seite schaut.

Schatten ist nicht automatisch gutes Licht. Die meisten Fotografen stellen ihr Model einfach irgendwo in den Schatten und wundern sich, warum das Gesicht grau und flau aussieht. Der Grund: Schatten ist nicht „kein Licht", sondern Licht aus einer anderen Quelle – dem Himmel. Und wie viel Himmel das Model sehen kann, entscheidet alles.

Die wichtigste Frage lautet deshalb: Woher kommt das hellste Licht? Ich stelle die Person in den Schatten, aber mit dem Gesicht in Richtung offenen Himmel. An einer Hauskante heißt das: kurz hinter der Kante, Blick zur Straße. Unter einer Brücke: nah am Rand, nicht in der Mitte. Gehst du zwei Schritte tiefer in den Schatten hinein, kommt das restliche Licht wieder von oben – dann hast du dein Mittagsproblem einfach mitgenommen.

Chantal und Caro – offener Schatten

Die Zwei-Schritte-Regel: Stell dich mit dem Model an eine Öffnung – Toreinfahrt, Unterstand, Waldkante – und lass es Schritt für Schritt hineingehen. Schau dabei aufs Gesicht, nicht aufs Display. Das Licht wird weicher und gerichteter und fällt nach hinten schnell ab. Irgendwo zwischen „direkt an der Kante" und „zu tief drin" gibt es genau einen Punkt, an dem es am besten aussieht. Diesen Punkt zu finden dauert selten länger als eine Minute.

Der Hintergrund ist die eigentliche Herausforderung. Im Schatten ist das Gesicht gerettet, aber die sonnige Fläche dahinter ist schnell drei bis vier Blendenstufen heller. Entweder suchst du einen Hintergrund, der ebenfalls im Schatten liegt, oder du nimmst die helle Fläche bewusst in Kauf. Unentschieden dazwischen sieht nach Versehen aus.

Sarina, Jackie und Brigitta – offener Schatten an unterschiedlichen Locations

In der Stadt ist offener Schatten besonders kontrollierbar. Eine Gasse hat zu jeder Tageszeit drei Zonen: die Sonnenseite, die Schattenseite mit weichem, gerichtetem Licht aus dem Himmelsstreifen und den Bereich vor einer besonnten Fassade, die zusätzlich Licht zurückwirft. Diese drei liegen oft keine zehn Meter auseinander und liefern drei völlig verschiedene Portraits.

Worauf ich im offenen Schatten achte:

  • Gesicht zum hellen Himmel drehen, nicht in den dunklen Teil des Schattens

  • Catchlights prüfen: Fehlen sie, steht das Model zu tief im Schatten

  • Farbe der Umgebung beachten – unter Bäumen wird das Licht grün, vor Sandstein warm, vor Glas kühl

  • eine besonnte helle Wand gegenüber ist ein Geschenk: Sie wirkt wie ein riesiger Reflektor

Wie das über einen ganzen Nachmittag aussehen kann, zeigt das Shooting mit Lorena in Regensburg zwischen Sprühfarbe, Pappelschatten und hohem Sommergrün.

3. Waldlicht – schön, aber komplizierter, als es aussieht

Kurz gesagt: Der Wald liefert kein automatisch weiches Licht, sondern gefiltertes. Durch Lücken im Laub fallen Sonnenflecken auf Gesicht und Kleidung, und grünes Licht färbt die Haut. Gut funktioniert der Wald an großen, geschlossenen Schattenflächen und am Waldrand – nicht tief im Bestand.

Der Wald ist die Location mit dem schlechtesten Verhältnis zwischen Erwartung und Realität. Fast alle gehen hinein, weil sie weiches Licht suchen. Fast alle bekommen etwas anderes:

  • grünen Farbstich – das Laub reflektiert grünes Licht direkt ins Gesicht, bei hellen Hauttönen besonders sichtbar

  • helle Flecken – durch kleine Löcher im Laub fällt Sonne auf Stirn, Wange oder Schulter

  • sehr dunkle Hintergründe – weil der Bestand fast den ganzen Himmel blockiert

  • ungleichmäßiges Licht – zwei Schritte verändern alles

Trotzdem fotografiere ich sehr gerne im Wald. Man muss nur zwei Situationen klar unterscheiden.

Gleichmäßiger Waldschatten

Das ist die gut kontrollierbare Variante. Ich suche keine schöne Stelle, sondern eine große, zusammenhängende Schattenfläche mit einer Öffnung zur Seite – einen Weg, eine Lichtung, eine Schneise. Am besten funktioniert der Waldrand von außen: eine dunkle Wand aus Bäumen als Hintergrund, offener Himmel als seitliche Lichtquelle und dazwischen ein schmaler Streifen, in dem das Licht sauber von der Seite kommt.

Nicht tief hineingehen. Je weiter drinnen, desto mehr kommt das wenige Licht ausschließlich von oben – und dann hast du wieder dunkle Augenhöhlen, nur dunkler.

Gegen den Grünstich hilft dieselbe Logik: Position statt Regler. Eine Öffnung zum Himmel, ein heller Weg oder ein heller Stamm in der Nähe liefern Licht, das nicht durch Blätter gelaufen ist. Und bei der Outfitplanung rate ich vor frischem Grün von grünen Oberteilen ab – sie verschwinden schlicht im Hintergrund.

Sarina – Waldlicht

Sonne zwischen den Bäumen

Das ist die schwierige Variante. Sonnenflecken sehen im Sucher harmloser aus, als sie im Bild sind, und in der Nachbearbeitung sind sie deutlich mühsamer als jede ehrliche harte Kante. Meine Regel: Entweder steht die Person vollständig in der Sonne oder vollständig im Schatten. Das Dazwischen ist die schlechteste aller Varianten.

Wenn die Sonne tief steht, wird aus dem Problem allerdings ein Werkzeug. Bei Jasmin haben wir das lange weiße Kleid zuerst am Rand einer Lichtung fotografiert, wo die tiefe Sonne durch die Bäume kam – mit der Sonne hinter ihr, also im Gegenlicht. Wenige Meter weiter, zwischen den Stämmen, war kaum noch Himmel im Bild, und die Serie wurde sofort ruhiger. Eine Location, zwei Lichtsituationen.

Jasmin & Toni, Sarina, Anja und Tina – unterschiedliche Waldlicht-Situationen

Unruhige Waldhintergründe lassen sich durch Brennweite, Distanz und Ausschnitt deutlich beruhigen. Das 85-mm-Objektiv verdichtet den Hintergrund und löst Äste und Stämme zu einer ruhigen Fläche auf – deshalb ist das Sigma 85 mm f/1.4 DG DN Art bei Amazon | Calumet (Werbung) im Wald fast immer auf meiner Kamera.

Mehr Waldshootings: Frühlingslicht und Moos mit Anja am Weinberg in Schwandorf und Sommerglut und Waldschatten mit Caro am Steinberger See.

4. Direktes Sonnenlicht – muss man es wirklich vermeiden?

Kurz gesagt: Nein. Direkte Sonne ist hart und verzeiht wenig, aber sie ist nicht automatisch schlecht. Du hast zwei ehrliche Optionen: die Person so positionieren, dass das Gesicht aus dem harten Licht kommt – oder die Härte bewusst als grafisches Bildmittel einsetzen.

Viele Available-Light-Guides sagen schlicht: Niemals mittags fotografieren. Das ist zu simpel. Wenn ich es mir aussuchen kann, fotografiere ich mittags tatsächlich nicht. Aber bei Hochzeiten konnte ich es mir oft genug nicht aussuchen – und im Hochsommer gibt es zwischen elf und siebzehn Uhr auf einer offenen Wiese schlicht keine weiche Position.

Das Problem ist schnell beschrieben: Die Sonne ist eine kleine, sehr weit entfernte Lichtquelle und wirft deshalb messerscharfe Schatten. Steht sie hoch, fällt das Licht von oben in die Augenhöhlen. Unter Nase und Kinn entstehen harte Schatten, die Haut glänzt, und der Kontrast ist größer, als jede Kamera vollständig auffangen kann. Das Gesicht wirkt angestrengt, obwohl niemand angestrengt ist.

Meine Reihenfolge bei harter Sonne:

  1. Offenen Schatten suchen – Hauskante, Torbogen, Waldrand von außen (siehe Abschnitt 2).

  2. Zur Himmelsöffnung drehen – im Schatten gibt es gutes und schlechtes Licht.

  3. Hintergrund prüfen – die sonnige Fläche dahinter ist jetzt deutlich heller.

  4. Gegenlicht – Person mit dem Rücken zur Sonne, Gesicht im Eigenschatten. Funktioniert erstaunlich gut, kostet aber Kontrast.

  5. Bewusst hart fotografieren – wenn keine der anderen Optionen passt oder wenn ich es genau so will.

Maggi, Lea und Diana – Portraits bei direkter Sonne

Bewusst hart heißt: Ich verstecke den Kontrast nicht, sondern mache ihn zum Bildinhalt. Harte Kanten, klare Farben, ein grafischer Schatten an einer Wand – das ist eine eigene Bildsprache, und eine sehr gute noch dazu. Sie funktioniert nur, wenn du sie willst, und nicht, wenn sie dir passiert.

Worauf ich bei direkter Sonne achte:

  • Nasenschatten: Er sollte Richtung Wange zeigen und die Oberlippe nicht berühren. Sonst Kopf leicht zur Sonne drehen.

  • Augen: Liegen sie im Dunkeln, Kinn minimal heben oder den Körper drehen, bis Licht in die Augen kommt. Zusammengekniffene Augen sind ein Zeichen, die Person aus der Sonne zu drehen.

  • Schattenkante: bewusst setzen – entweder klar über das Gesicht oder ganz heraus.

  • Helle Hintergründe: Ein weißes Oberteil, eine helle Wand oder der Himmel brennen zuerst aus. Lichter im Histogramm prüfen – Schatten lassen sich später anheben, ausgefressene Flächen nicht zurückholen.

Yulia und Magdalena– bewusst hartes Sonnenlicht

Kontrastreiches Licht stellt Hauttöne, Schatten und Farben auch in der Bearbeitung vor andere Anforderungen als ein grauer Tag. Ein Preset rettet kein schlechtes Licht – aber ein guter Filmlook kann helfen, harte Hochsommerbilder konsistent und trotzdem natürlich wirken zu lassen. Ich arbeite dafür mit den Classic Film Presets (Werbung) – mit meinem Code HAUSER bekommst du 15 % Rabatt. Mehr dazu weiter unten.

Wie ich mit Hochsommerlicht umgehe, siehst du auch im Shooting Schilfgrün, Sandweg, Sommerglut mit Maggi am Steinberger See.

5. Seitenlicht – wenn Available Light plötzlich fast wie gesetztes Licht wirkt

Kurz gesagt: Seitenlicht kommt nicht frontal, sondern streift über das Gesicht. Es zeichnet Nase, Wangen, Kiefer, Körperform und Stoffstrukturen. Oft reicht eine Vierteldrehung des Models, um aus flachem Licht seitliches Licht zu machen – ohne an der Kamera etwas zu verändern.

Seitenlicht ist der Moment, in dem Available Light anfängt, nach Absicht auszusehen. Bei frontalem Licht ist das Gesicht gleichmäßig hell, freundlich, aber ohne Form. Bei Seitenlicht entsteht auf einer Gesichtshälfte Schatten, und genau dieser Schatten macht das Gesicht plastisch. Das unterscheidet sich stark vom gleichmäßigen Wolkenlicht aus Abschnitt 1.

Seitenlicht findest du überall, wo das Licht eine klare Richtung hat:

  • tief stehende Sonne am späten Nachmittag, im Herbst und im Winter

  • ein Fenster oder eine Toreinfahrt

  • eine Gebäudeöffnung oder Unterführung

  • eine Waldkante mit offenem Himmel auf einer Seite

Marie – zwei Positionen im Seitenlicht; Drehung und Schattenverlauf vergleichen

Der wichtigste Trick dabei: Du drehst nicht die Sonne – du drehst das Model. Bei Marie stand das Licht tief von rechts. Sie konnte durch eine kleine Schulterdrehung verändern, wie das Licht im Gesicht lag. Aus flachem, gleichmäßigem Licht wurde seitliches Licht mit klarer Kante. Zwei Sekunden Arbeit, kein Regler an der Kamera bewegt.

Seitenlicht gibt es weich und hart. Ein großes Fenster oder eine helle Öffnung direkt neben der Person liefert weiches Seitenlicht mit sanftem Übergang. Die tiefe Abendsonne liefert hartes Seitenlicht mit klarer Kante. Beides funktioniert, aber es verlangt eine unterschiedliche Kontrolle der Schattenseite: Je dunkler die Umgebung auf der lichtabgewandten Seite, desto dramatischer wird das Portrait.

Silvana und Diana – Seitenlicht mit unterschiedlicher Bildwirkung

Woran ich gutes Seitenlicht erkenne:

  • Der Nasenschatten zeigt Richtung Wange und bleibt kurz

  • Im lichtzugewandten Auge ist ein Catchlight zu sehen

  • Die Schattenseite hat noch Zeichnung, wenn ich sie will

6. Fensterlicht – meine natürliche Softbox

Kurz gesagt: Ein Fenster begrenzt den hellen Himmel auf eine große, seitliche Fläche. Je näher die Person am Fenster steht, desto weicher und heller wird das Licht – und desto schneller fällt es zum Raum hin ab. Schon eine kleine Drehung verändert das Verhältnis von Licht- und Schattenseite deutlich.

Fensterlicht ist für mich die natürlichste Softbox, die es gibt. Und die eindrücklichste Location dafür ist ein alter, abgenutzter Eisenbahnwaggon: dunkel, rau, mit hellen Seitenfenstern. Genau weil der Innenraum so dunkel ist, sieht man dort sehr deutlich, was das Licht macht.

Bei Jasmin blieb der Look über die ganze Serie gleich, nur ihre Position zum Fenster hat sich verändert. Die helle Seite wandert dadurch von Bild zu Bild durch das Gesicht, und die warmen Innenflächen im Hintergrund wirken jedes Mal etwas anders.

Jasmin, Caro und Jennifer im Waggon – Fensterlicht, Fensterrahmen und Portraitausschnitte; Reihenfolge nach Lichtwirkung prüfen

Schon wenige Zentimeter oder eine kleine Drehung verändern das Verhältnis von Licht- und Schattenseite. Ein offener Blick zum Fenster wirkt freundlich, ein stärker seitlich beleuchteter enger Ausschnitt fast schon klassisch gesetzt – dazwischen liegt kein einziger Regler, nur eine Körperdrehung.

Meine Regeln für Fensterlicht:

  • Nah genug ran. Der brauchbare Bereich ist oft nur ein bis zwei Meter. Je weiter die Person in den Raum geht, desto dunkler und flacher wird das Licht.

  • Gesicht zur Öffnung. Steht die Person mit dem Rücken zum Fenster, hast du Gegenlicht – auch schön, aber eine andere Bildidee.

  • Fenstergröße und -lage zählen. Ein schmales Fenster liefert eine andere Richtung als eine breite Glasfront. „Fensterlicht" allein ist noch keine Beschreibung.

  • Belichtung auf die Haut. Das Fenster selbst darf ausbrennen, wenn es im Bild ist.

  • Mischlicht vermeiden. Brennt im Raum eine warme Lampe, bekommt eine Gesichtshälfte eine andere Farbe. Entweder ausschalten oder bewusst einsetzen.

Das Prinzip funktioniert übrigens auch ohne Fenster: Unterführungen, Arkaden und Toreinfahrten sind Fensterlicht im Freien. Eine dunkle Umgebung, genau eine große Öffnung, alles Licht kommt von dort.

Mehr Portraits in einem alten Waggon findest du im Shooting mit Jennifer am Knappensee – zwischen Eisenbahnwaggon und Ufergrün. Für die engen Portraits im Waggon nutze ich das Sigma 85 mm bei Amazon | Calumet (Werbung), weil es den unruhigen Innenraum beruhigt; die 61 Megapixel der Sony a7R V bei Amazon | Calumet (Werbung) geben mir in engen Räumen Spielraum beim Ausschnitt. Meine Erfahrungen mit der Kamera stehen in Sony a7R V für Portraitfotografie.

7. Gegenlicht – meine Lieblingssituation, wenn die Sonne tief steht

Kurz gesagt: Bei Gegenlicht steht die Sonne hinter dem Model. Haare und Schultern bekommen einen hellen Saum, das Gesicht liegt im weichen Eigenschatten. Belichtet wird auf die Haut, nicht auf den Himmel – der Hintergrund darf heller werden, aber bewusst.

Wenn ich mir eine einzige Lichtsituation aussuchen müsste, wäre es diese. Gegenlicht trennt die Person vom Hintergrund, legt einen warmen Saum um Haare und Schultern und bringt feine Härchen zum Leuchten. Gleichzeitig bekommt das Gesicht kein direktes Licht und wirkt dadurch ruhiger als bei Frontlicht.

Annalena – Gegenlicht

Wie ich im Gegenlicht arbeite:

  • Die Sonne muss nicht direkt ins Objektiv. Steht sie knapp außerhalb des Bildes und leicht schräg, bekommst du die Lichtkante und behältst mehr Zeichnung im Gesicht. Dieses seitliche Gegenlicht nutze ich häufiger als das direkte.

  • Belichtung auf die Haut. Belichtest du auf den Himmel, wird das Gesicht zu dunkel. Belichtest du auf das Gesicht, wird der Himmel hell. Das ist in Ordnung, solange es eine Entscheidung ist. Ich prüfe danach immer die Lichter: Ein Himmel darf ausbrennen, wenn er nur Fläche ist – Haare und Haut nicht.

  • Dunkler Hintergrund hinter der Kante. Die Lichtkante wirkt am stärksten vor dunklen Flächen wie Bäumen oder einem Waldrand. Ein heller Himmel direkt dahinter schluckt sie.

  • Flares steuern. Ein paar Zentimeter Kamerabewegung entscheiden, ob ein Flare verschwindet oder stärker wird. Die Sonne halb hinter dem Kopf, hinter einem Ast oder einer Hauskante zu verstecken, gibt dir Kontrolle. Wird es zu viel, halte ich die Hand seitlich vors Objektiv.

  • Autofokus auf eine kontrastreiche Kante. Bei starkem Gegenlicht findet der Augen-AF nicht immer zuverlässig. Dann hilft ein kleines Fokusfeld auf das Auge oder den Haaransatz.

Tina, Silvana, Milena, Annalena und Sarah – verschiedene Gegenlichtsituationen

Für vielleicht zehn Minuten pro Shooting kommt bei mir im Gegenlicht ein Mist-Filter aufs Objektiv. Er nimmt Kontrast heraus und lässt Lichter weich ausblühen – ein Effekt, der sich in der Bearbeitung nicht identisch nachbauen lässt. Wichtig ist die Dosierung: Er gehört aufs Objektiv, wenn eine Lichtquelle direkt im Bild ist, und wieder herunter, sobald es normal beleuchtet weitergeht.

Im Gegenlicht arbeite ich je nach Bildidee mit beiden Festbrennweiten: Das Sigma 85 mm bei Amazon | Calumet (Werbung) für enge Portraits mit großem, weichem Bokeh, das Sigma 35 mm bei Amazon | Calumet (Werbung), wenn die Lichtung, das Feld oder der See mit ins Bild sollen. Wie ich den warmen Gegenlicht-Look in der Bearbeitung entwickle, steht in der Bearbeitungsbox weiter unten.

Mehr Gegenlicht: Blumen, Wasser und Gegenlicht mit Tina am Steinberger See und Graffiti, Kopfstein, Gegenlicht mit Magdalena in Regensburg.

8. Golden Hour – warum sie mehr ist als „warmes Licht"

Kurz gesagt: Die Golden Hour ist ungefähr die letzte Stunde bis anderthalb Stunden vor Sonnenuntergang. Das Licht wird wärmer, weicher und schwächer zugleich. Je nachdem, wo die Sonne zum Model steht, entstehen völlig unterschiedliche Portraits: warmes Frontlicht, plastisches Seitenlicht oder Rim Light im Gegenlicht.

Die Golden Hour ist meine Lieblingszeit, und ich sehe keinen Grund, so zu tun, als wäre das eine neutrale Feststellung. Aber sie ist mehr als „warmes Licht". Weil die Sonne so tief steht und ihr Licht durch deutlich mehr Atmosphäre läuft, verändern sich drei Dinge gleichzeitig: Farbe, Härte und Helligkeit. Was du daraus machst, hängt vor allem davon ab, wie das Model zur Sonne steht.

  • Sonne frontal: warmes, weiches Licht direkt im Gesicht. Das geht nur jetzt, ohne dass die Person blinzelt.

  • Sonne seitlich: plastisch, mit klarer Modellierung. Die Haut bekommt Wärme und Form zugleich.

  • Sonne hinter dem Model: Rim Light – eine warme Kante auf Schulter und Haar, das Gesicht im weichen Eigenschatten.

  • Sonne kurz vor dem Horizont: sehr niedriger Kontrast, sehr warmes Licht – und eine Helligkeit, die jetzt schneller fällt, als das Auge merkt.

Diana, Jacki, Marie, Magdalena und Anja - Varianten der Golden Hour; keine fotografische Zeitfolge behauptet

Der Preis dieser Phase ist das Tempo. Innerhalb von zwanzig Minuten verlierst du spürbar Licht, die Farbe verschiebt sich, und die Position der Sonne ändert die gesamte Blickrichtung. Deshalb vereinfache ich in der Golden Hour alles: ein Spot, eine Brennweite, keine Outfitwechsel. Wer in der Golden Hour noch umzieht, verbringt die beste Viertelstunde des Tages neben einem Kofferraum.

Zwei Dinge, die ich mir angewöhnt habe:

  • Zeiten als Abstand planen. Ich notiere nicht „19 Uhr", sondern „90 Minuten vor Sonnenuntergang". Diese Angabe funktioniert in jedem Monat. Im Juni beginnt die Golden Hour erst spät am Abend, im Oktober schon am Nachmittag.

  • Weißabgleich nicht zu weit ins Orange. Die Wärme soll aus dem Licht kommen, nicht aus dem Regler. Sonst kippen die Hauttöne.

Und: Wer nur zur Golden Hour auslöst, bekommt fünf Varianten desselben Bildes. Die frühen Bilder eines Abends sind nicht schlechter – sie sind anders: ruhiger, klarer, näher an der Umgebung. Den Nachmittag nutze ich deshalb für Warm-up, Spot- und Outfitwechsel, damit die Golden Hour für Bilder frei bleibt.

Ein komplettes Shooting ohne Reflektor, Assistent oder Studiolicht, nur mit dem Licht des Abends, findest du in Golden Hour am Steinberger See – Ein Abend. Drei Locations.

9. Blue Hour und Low-Light-Shootings – Portraits, wenn das Licht knapp wird

Kurz gesagt: In der Blauen Stunde ist die Sonne unter dem Horizont, der Himmel aber noch hell. Er wird zur großen, kühlen Lichtfläche, während die ersten Laternen und Fenster warm dazukommen. Auch bei anderen Low-Light-Shootings – etwa in dunklen Gassen oder vor beleuchteten Fassaden – nutze ich diese vorhandenen Lichtquellen bewusst. Dieser Farbkontrast ist oft das Motiv. Technisch entscheidet jetzt die Reihenfolge: erst Verschlusszeit, dann Blende, dann ISO.

Die meisten Shootings enden zwanzig Minuten zu früh. Die Sonne ist weg, es wird merklich dunkler, und man packt ein. Was danach kommt, sehen die wenigsten – und es ist eine der schönsten Lichtphasen des Tages.

Beim Wintershooting mit Tea am TechCampus in Regensburg war es schon kalt und spät, als nach und nach die Gebäudelichter angingen. Ohne die Location zu wechseln, wurde die Serie deutlich kühler als die Bilder, die wir vorher an einer warmen Holzfassade gemacht hatten: heller Winterlook vor bläulicher Umgebung, dunkleren Flächen und kleinen künstlichen Lichtquellen.

Evelin, Tea und Diana – Blue Hour und Low-Light-Shootings

Was sich in der Blauen Stunde ändert:

  • Die Lichtmenge sinkt schnell. Das Auge passt sich an, die Kamera nicht. Was sich vor zehn Minuten noch hell anfühlte, kostet dich jetzt zwei Blendenstufen.

  • Die ISO steigt – und darf das. ISO 3200 oder 6400 sind heute keine Ausnahme mehr, sondern eine normale Einstellung. Ein leicht rauschendes, scharfes Bild ist brauchbar. Ein sauberes, verwackeltes nicht.

  • Die Verschlusszeit wird zur Grenze. Ich gehe bei Portraits nicht unter etwa 1/125 Sekunde, sobald sich jemand bewegt. Bewegte Sequenzen mache ich deshalb am Anfang der Blauen Stunde, ruhige Posen am Ende.

  • Die Haut wird kühler. Den Weißabgleich entscheide ich nach der Haut und lasse die Umgebung blau. Wer alles neutralisiert, hat am Ende ein Bild, das abends aufgenommen wurde und trotzdem nicht nach Abend aussieht.

  • Kunstlicht wird interessant. Beleuchtete Schaufenster sind große, weiche Lichtquellen. Straßenlaternen dagegen sind klein und hart – und direkt darunter kommt das Licht steil von oben. Ein paar Meter neben dem Lichtkegel ist es dunkler, aber das Licht kommt aus einem brauchbaren Winkel.

Blende 1.4 wird jetzt funktional. Den ganzen Tag über ist eine offene Blende vor allem eine gestalterische Entscheidung. In der Blauen Stunde ist sie plötzlich eine technische: Sie ist die Stufe, die dir die Verschlusszeit rettet. Trotzdem nicht reflexhaft offen fotografieren – bei schräger Kopfhaltung oder Bewegung auf die Kamera zu reicht die Schärfentiefe bei f/1.4 oft nicht. f/2 kostet eine Stufe und rettet deutlich mehr Bilder.

Hier spielen lichtstarke Festbrennweiten ihren eigentlichen Vorteil aus. Das Sigma 35 mm f/1.4 bei Amazon | Calumet (Werbung) nimmt die beleuchtete Umgebung mit, das Sigma 85 mm f/1.4 bei Amazon | Calumet (Werbung) verwandelt entfernte Lichter in große, ruhige Bokehflächen.

Vor jedem Abendtermin kläre ich vier Dinge: einen gut beleuchteten Treffpunkt, den gemeinsamen Rückweg, Standortwechsel nur zu zweit – und dass keine Bildidee über dem Gefühl der Person vor der Kamera steht.

10. Reflektiertes Licht – Available Light kommt nicht nur von oben

Kurz gesagt: Helle Wände, Schnee, Wasser und heller Boden werfen Licht zurück und wirken wie natürliche Reflektoren. Der beste Reflektor ist dabei meist der, den man im fertigen Bild gar nicht sieht: Die helle Fläche steht hinter der Kamera oder seitlich, und das Model schaut sie an.

Wenn wir über Available Light reden, denken die meisten an Sonne und Himmel. Dabei kommt ein großer Teil des Lichts in einem Portrait von unten oder von der Seite – von allem, was hell ist und Licht zurückwirft.

Helle Fassaden. Eine besonnte helle Wand ist der größte Reflektor, den du kostenlos bekommst – und sie wird fast immer falsch eingesetzt. Der Reflex ist, die Person davorzustellen. Damit machst du aus der Lichtquelle einen Hintergrund. Besser: Die Wand gehört hinter die Kamera oder seitlich daneben, das Model schaut sie in ein bis drei Metern Abstand an.

Verena – reflektiertes Licht

Schnee. Bei Schnee kommt das Licht von oben und von unten gleichzeitig. Die Fläche hellt Augenhöhlen auf und macht Schatten unter Kinn und Nase weich. Portraits im Schnee sind deshalb erstaunlich gutmütig – solange die Belichtung stimmt. Jede Belichtungsautomatik versucht, die weiße Fläche abzudunkeln. Gleichzeitig ist ausgefressenes Weiß nicht mehr zu retten. Mein Vorgehen ist unromantisch: lieber etwas knapper belichten und die Helligkeit später in Lightroom zurückholen.

Verena und Sophia – Schnee als natürlicher Reflektor

Wasser. Eine Wasserfläche hellt das Gesicht von unten auf, spiegelt den Himmel als ruhigen, hellen Hintergrund und erzeugt bei tiefer Sonne eine Lichtbahn, die du als Gegenlicht direkt hinter die Person legen kannst. Belichte auf das Gesicht und prüfe die Lichter – die Wasserfläche ist immer heller als die Person.

Brigitta und Sarah – Wasser als natürlicher Reflektor

Heller Boden. Kies, Sand, trockene Gräser oder ein heller Weg hellen leicht von unten auf. Unscheinbar, aber oft der Grund, warum eine Position besser funktioniert als die zwei Meter daneben.

Achtung, Farbe: Jede Fläche reflektiert ihre eigene Farbe mit. Eine ockerfarbene Altbaufassade wärmt die Haut – meistens schmeichelhaft. Roter Klinker macht sie rötlich, eine sonnige Wiese grünlich. Beton und heller Putz bleiben neutral. Prüfe das im Bild, nicht mit dem Auge: Das Auge gleicht Farbstiche aus, der Sensor nicht.

Brigitta – Heller Boden und farbige Fassaden wirken sich auf die Lichtstimmung aus

Wie Schnee als natürlicher Reflektor in einem kompletten Shooting wirkt, zeige ich in einem eigenen Schnee-Shootingbericht (Link ergänzen).

Welche Lichtsituation ist die beste?

Die ehrliche Antwort lautet nicht „Golden Hour". Die beste Lichtsituation ist die, deren Eigenschaften zum gewünschten Bild passen – und die du kontrollieren kannst.

Ein grauer Tag ist perfekt für ruhige, hautfreundliche Portraits und ungeeignet für Dramatik. Direkte Sonne ist schwierig, aber unschlagbar für grafische Bilder. Gegenlicht ist atmosphärisch, verlangt aber eine bewusste Belichtung. Die Frage ist also nicht, welches Licht gut ist, sondern welches Licht zu deiner Bildidee passt.

10 Lichtsituationen im Vergleich

Schwierigkeit, Charakter und die typische Falle auf einen Blick.

Bewölkter Himmel

★☆☆☆

Charakter: weich, ruhig

Typische Falle: Licht von oben, keine Catchlights

Offener Schatten

★★☆☆

Charakter: sauber, gleichmäßig

Typische Falle: zu tief im Schatten, Hintergrund zu hell

Waldlicht

★★★☆

Charakter: atmosphärisch

Typische Falle: Sonnenflecken, Grünstich

Direkte Sonne

★★★★

Charakter: kontrastreich, grafisch

Typische Falle: dunkle Augen, ausgebrannte Lichter

Seitenlicht

★★☆☆

Charakter: plastisch, modellierend

Typische Falle: Schattenseite säuft ab

Fensterlicht

★★☆☆

Charakter: gerichtet, weich

Typische Falle: zu weit vom Fenster entfernt

Gegenlicht

★★★☆

Charakter: warm, atmosphärisch

Typische Falle: auf den Himmel belichtet

Golden Hour

★★☆☆

Charakter: weich, warm

Typische Falle: zu wenig Zeit, Weißabgleich zu orange

Blaue Stunde

★★★☆

Charakter: kühl, cineastisch

Typische Falle: zu lange Verschlusszeit

Reflektiertes Licht

★★☆☆

Charakter: weich, aufhellend

Typische Falle: Farbstich der Fläche

Meine Reihenfolge vor Ort

Egal welche der zehn Situationen ich vorfinde, ich gehe immer in derselben Reihenfolge vor:

  1. Licht: Wo ist die größte offene Himmelsfläche, und aus welcher Richtung erreicht sie ein Gesicht?

  2. Modelposition: Wo muss die Person stehen und wohin schauen, damit genau dieses Licht funktioniert?

  3. Hintergrund: Welche Blickrichtung hält den Hintergrund ruhig und trotzdem aussagekräftig?

  4. Mein Standpunkt: Aus welcher Höhe und welchem Winkel bringe ich Licht und Hintergrund zusammen?

  5. Brennweite: Wie wichtig soll die Umgebung sein?

  6. Einstellungen: Welche Schärfentiefe braucht die Szene, welche Verschlusszeit die Bewegung?

Diese Kette läuft nur vorwärts. Wenn Schritt vier nicht funktioniert, gehe ich zurück zu Schritt zwei – ich löse es nicht in Schritt sechs. Genau das ist der Unterschied zwischen jemandem, der Available Light beherrscht, und jemandem, der es erleidet: Der eine ändert die Position, der andere die ISO.

Werbung – Der Look in der Nachbearbeitung: The Classic Presets

Gutes Licht entsteht vor Ort, nicht in Lightroom. Aber jede Lichtsituation in diesem Artikel stellt andere Anforderungen an die Bearbeitung: Ein grauer Tag braucht etwas Kontrast und Farbe, harte Sonne einen behutsamen Umgang mit Lichtern und Hauttönen, die Blaue Stunde einen Weißabgleich, der die Haut trifft, ohne den Abend zu neutralisieren.

Als Ausgangspunkt nutze ich dafür die Classic Film Presets von The Classic Presets. Sie geben mir einen konsistenten Filmlook über ganze Serien, den ich dann pro Lichtsituation anpasse – vor allem bei Weißabgleich und Hauttönen.

Mit meinem Code HAUSER bekommst du 15 % Rabatt: theclassicpresets.com

Wie ich die Presets im Alltag einsetze, zeige ich ausführlich in meinem geplanten Praxistest zu The Classic Presets.

Häufige Fragen zu Available Light bei Portraits

Was bedeutet Available Light in der Portraitfotografie?

Available Light heißt wörtlich „vorhandenes Licht". Gemeint ist jedes Licht, das am Ort bereits vorhanden ist und nicht eigens für die Aufnahme aufgebaut wird: Sonne, Himmel, Fensterlicht, reflektiertes Licht von Wänden oder Wasser und auch vorhandene Lampen oder Schaufenster. Entscheidend ist nicht der Verzicht auf Blitz, sondern die bewusste Auswahl des Lichts.

Welches natürliche Licht ist am besten für Portraits?

Es gibt kein bestes Licht, nur passendes. Für ruhige, hautfreundliche Portraits sind bewölkter Himmel und offener Schatten am einfachsten. Für warme, atmosphärische Bilder eignen sich Gegenlicht und Golden Hour. Für plastische, fast gesetzt wirkende Portraits funktionieren Seiten- und Fensterlicht besonders gut.

Kann man bei Mittagssonne Portraits fotografieren?

Ja. Am einfachsten ist es, in den offenen Schatten zu gehen und das Gesicht zur hellen Himmelsöffnung zu drehen. Alternativ funktioniert Gegenlicht mit der Sonne im Rücken des Models. Oder du nutzt die Härte bewusst als grafisches Stilmittel – dann aber konsequent.

Warum wirken Portraits bei bewölktem Himmel manchmal flach?

Weil das Licht unter komplett offenem Himmel vor allem von oben kommt. Die Augen liegen dann im Schatten, und es entstehen keine Catchlights. Stell die Person an eine Baum- oder Hauskante: Das Licht von oben wird abgeschirmt, das restliche Licht kommt seitlich und modelliert das Gesicht.

Wie belichte ich ein Portrait im Gegenlicht richtig?

Belichte auf das Gesicht, nicht auf den Himmel. Der Hintergrund wird dadurch heller und darf auch ausbrennen, solange Haut und Haare Zeichnung behalten. Kontrolliere die Lichter im Histogramm, nicht nur am Display.

Brauche ich einen Reflektor für Available-Light-Portraits?

Nicht zwingend. Allein ist ein Reflektor draußen schwer zu handhaben. Die realistische Alternative steht meistens schon da: eine helle Hauswand, ein Kiesweg, eine Sandfläche, Wasser oder Schnee. Such zuerst nach natürlichen Aufhellern, bevor du einen mitschleppst.

Welche Ausrüstung brauche ich für Available-Light-Portraits?

Weniger, als du denkst: eine Kamera, ein lichtstarkes Objektiv mit fester Brennweite, Ersatzakku und eine zweite Speicherkarte. Welche Ausrüstung sich wirklich lohnt, beschreibe demnächst in einem weiteren Blog.

Ein Portrait-Shooting anfragen – Regensburg & Oberpfalz

Du möchtest selbst einmal im vorhandenen Licht fotografiert werden – ob im Wald, am See, in der Regensburger Altstadt oder in der Blauen Stunde? Dafür brauchst du weder eine perfekte Location noch aufwendiges Styling. Den passenden Ort und die passende Uhrzeit suchen wir gemeinsam nach dem Licht aus.

Schreib mir einfach eine Nachricht über Instagram oder über das Kontaktformular.

Werbung – mein aktuelles Portrait-Setup

Die folgenden Links sind Affiliate-Links zu Calumet und Amazon. Kaufst du darüber, erhalte ich ggf. eine kleine Provision; für dich ändert sich am Preis nichts. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Meine komplette Ausrüstung findest du auf der Seite Mein Equipment.

Models & Credits

Vielen Dank an meine Models!

Anja (@wachgekuesst) · Annalena (@annalenamariee) · Brigitta (@brigittafurdan) · Caro (@caroem.die) · Chantal (@chantalsara_) · Diana (@dianas.place_) · Evelin (@evifnk_) · Jacki (@jaacki.x) · Janine (@janine.brnn) · Jasmin (@jasminkrl.official) · Jennifer (@j3nnifer._) · Lea (@lea__xa) · Magdalena (@magdalenawgnbr) · Maggi (@_magg_i) · Marie (@xarix__) · Melanie (@mel.a.nie_89) · Milena (@mileena.mariaa) · Sarah (@sarahselinadumke) · Sarina (@sarina.zmr) · Silvana (@bxbysilv) · Sophia (@sophiadotzler) · Tea (@tea.kirilovaa) · Tina (@tina.modelpage) · Toni (@tonigrd.official) · Verena (@verbrandl) · Yulia (@dare_.to_dream)

Weiter
Weiter

Model-Portfolio Shooting mit Sarina am Steinberger See – Wald, Steg und Sommergras