Sony a7R V für Portraitfotografie – warum sie meine a7 III ablöst
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Sechs Jahre lang war die Sony a7 III meine Hauptkamera. Seit 2020 hat sie mich durch unzählige Portraitshootings, Reisen und Veranstaltungen begleitet. Sie hat mich nie im Stich gelassen – und genau deshalb war der Wechsel schwieriger, als man vielleicht denkt.
Ich habe die a7 III nicht ersetzt, weil sie plötzlich schlechte Bilder machen würde. Ganz im Gegenteil: Sie ist auch heute noch eine hervorragende Vollformatkamera, die ich ohne Vorbehalte empfehlen kann. Meine bleibt deshalb als Backup im Rucksack. Die Sony a7R V eröffnet mir bei Portraits aber Möglichkeiten, die inzwischen deutlich besser zu meiner Arbeitsweise passen: wesentlich mehr Auflösung, enorme Reserven in der Bearbeitung und ein Autofokus, über den ich während eines Shootings kaum noch nachdenken muss.
Nach den ersten fünf Shootings ist für mich klar: Die a7R V ist keine kleine Aktualisierung meiner bisherigen Kamera. Sie ist ein echtes Upgrade.
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Von 24 auf 61 Megapixel: Croppen ohne schlechtes Gewissen
Der offensichtlichste Unterschied zur a7 III ist die Auflösung. Die Sony a7R V besitzt einen Vollformatsensor mit 61,0 effektiven Megapixeln. In voller 3:2-Auflösung entstehen Dateien mit 9.504 × 6.336 Pixeln.
Diese Zahlen klingen zunächst nach Datenblatt. In der Praxis verändern sie meine Arbeit aber spürbar. Ich kann einen Bildausschnitt nach dem Shooting deutlich stärker korrigieren, ein Querformat zusätzlich als Hochformat ausgeben oder aus einem weiteren Portrait noch eine enge Variante herausarbeiten. Haare, Augen, Stoffe, Schmuck und Tattoos bleiben dabei erstaunlich detailliert.
Natürlich ersetzt die hohe Auflösung keine saubere Bildgestaltung. Wenn ich schon während des Shootings den richtigen Ausschnitt treffe, ist das weiterhin die beste Lösung. Die 61 Megapixel geben mir aber eine Reserve, die ich mit der a7 III in dieser Form nicht hatte. Gerade für Social Media, Website-Ausschnitte oder Drucke in unterschiedlichen Formaten ist das enorm praktisch.
Der Dynamikumfang gibt mir enorme Reserven
Noch stärker als die reine Auflösung hat mich der Spielraum in der Nachbearbeitung überrascht. Bei Outdoor-Portraits liegen heller Himmel, weiße Kleidung, Hauttöne und tiefe Schatten häufig sehr nah beieinander. Die a7R V liefert mir in solchen Situationen Dateien, die sich ausgesprochen flexibel bearbeiten lassen.
Ein Himmel, der auf dem Kameradisplay zunächst sehr hell wirkt, enthält oft noch Wolkenstrukturen und feine Übergänge. Auch in dunklen Flächen kann ich Details anheben, ohne dass das Bild sofort auseinanderfällt. Wichtig bleibt natürlich: Was wirklich vollständig ausgefressen ist, kann auch diese Kamera nicht zurückholen. Wenn die Lichter aber nicht hart geclippt sind, steckt im RAW häufig deutlich mehr, als die erste Vorschau vermuten lässt.
Besonders sichtbar wird das bei Portraits im verlassenen Eisenbahnwaggon. Helle Fenster, direkte Sonnenflächen und ein dunkler Innenraum liegen dort in einem einzigen Bild. Genau in solchen Situationen macht die a7R V meine Bearbeitung entspannter. Ich kann die hellen Bereiche kontrollieren und gleichzeitig Schatten öffnen, ohne den gesamten Bildeindruck flach zu machen.
Der Autofokus ist bei Portraits fast schon unspektakulär gut
Die a7R V besitzt eine eigene KI-Verarbeitungseinheit für die Motiverkennung. Technisch klingt das groß. Im Shootingalltag fühlt es sich vor allem angenehm unspektakulär an: Die Kamera erkennt Personen sehr zuverlässig, hält das Auge und bleibt auch dann am Motiv, wenn sich Haltung, Blickrichtung oder Abstand verändern.
Bei einem typischen Shooting entstehen bei mir ungefähr 700 bis 1.000 Aufnahmen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind darunter oft nur ein oder zwei Bilder, bei denen der Fokus wirklich nicht dort sitzt, wo ich ihn haben wollte. Und ehrlich gesagt liegt das meistens nicht an der Kamera, sondern an meiner Bedienung, einer unpassenden Einstellung oder daran, dass ich in der Bewegung zu spät ausgelöst habe.
Das ist für meine Art der Portraitfotografie ein großer Gewinn. Ich kann mich stärker auf Licht, Ausdruck, Hände, Bildaufbau und die Kommunikation mit dem Menschen vor der Kamera konzentrieren. Der Autofokus verschwindet im Hintergrund – genau so sollte gute Technik für mich funktionieren.
Warum ich gerade jetzt gekauft habe
Der Zeitpunkt war für mich fast genauso wichtig wie die Kamera selbst. Mit der Einführung der Sony a7R VI kamen deutlich mehr gebrauchte a7R-V-Gehäuse auf den Markt. Viele Fotografen wollten auf das neue Modell wechseln – und für mich wurde dadurch der Vorgänger besonders interessant.
Ich kaufe häufiger gebrauchtes Equipment und sortiere mein eigenes regelmäßig aus. Eine Kamera muss für mich nicht frisch aus dem Karton kommen, solange Zustand, Historie und Preis zusammenpassen. Meine a7R V hatte weniger als 10.000 Auslösungen und kostete bei eBay rund 2.050 Euro. Für eine Kamera dieser Klasse war das genau der Moment, in dem ich mir dachte: jetzt oder nie.
Der genannte Preis ist natürlich nur mein persönlicher Kaufpreis und keine aktuelle Preisangabe. Der Gebrauchtmarkt verändert sich ständig. Entscheidend sind für mich neben dem Preis vor allem ein seriöses Angebot, ein nachvollziehbarer Zustand, eine möglichst genaue Auslösungszahl und die Möglichkeit, die Kamera nach Erhalt sorgfältig zu prüfen.
Warum es nicht die Sony a7R VI geworden ist
Die a7R VI ist technisch ohne Frage spannend. Sony nennt für das neue Modell 66,8 effektive Megapixel, eine deutlich schnellere Sensorauslesung und bis zu 30 Bilder pro Sekunde. Für meine Portraitfotografie wäre das aber vor allem ein teurerer Schritt gewesen – und nicht automatisch der sinnvollere.
Ein wichtiger Punkt ist für mich das neue Akkusystem. Die a7R VI verwendet den neuen NP-SA100. Meine a7R V, die a7 III und die ZV-E1 arbeiten dagegen mit dem NP-FZ100. Da die a7 III als Backup bleibt und ich die ZV-E1 zum Filmen nutze, kann ich dieselben Akkus und Ladegeräte über mehrere Kameras hinweg einsetzen.
Zwei Akkusysteme parallel zu pflegen, zusätzliche Ersatzakkus zu kaufen und bei jedem Einsatz das richtige Ladegerät einzupacken, hätte meinen Alltag unnötig komplizierter gemacht. Der neue Akku der a7R VI ist leistungsfähig – für mein vorhandenes Setup ist die Kompatibilität der a7R V trotzdem der größere praktische Vorteil.
Und letztlich gilt: Die a7R V löst bereits alle Probleme, die ich mit dem Wechsel lösen wollte. Mehr Auflösung, sehr starker Autofokus, große Bearbeitungsreserven und ein Gehäuse, das in mein bestehendes System passt. Ich musste nicht das neueste Modell kaufen, um für meine Arbeit einen deutlichen Sprung zu machen.
Für Portraitfotografie ist die a7R V eine Traumkamera
Portraitfotografie lebt nicht von einem einzelnen technischen Wert. Auflösung ist nur dann hilfreich, wenn Fokus und Objektiv die Details auch treffen. Dynamikumfang bringt nur dann etwas, wenn Hauttöne, Kleidung und Umgebung gemeinsam bearbeitbar bleiben. Und ein guter Autofokus ist nur dann wirklich gut, wenn ich mich während des Shootings auf die Person konzentrieren kann.
Genau diese Punkte bringt die a7R V für mich zusammen. Die Dateien sind detailliert, die Reserven bei hellen und dunklen Flächen sind enorm und der Augen-AF arbeitet sehr zuverlässig. Gleichzeitig kann ich zwischen engen Portraits, Ganzkörperaufnahmen und Environmental Portraits wechseln, ohne ständig Angst um den Fokus oder den späteren Bildausschnitt zu haben.
Die ausgewählten Serien mit Sarina, Caro, Jackie und Sarah zeigen sehr unterschiedliche Situationen: dunkler Wald, Wasser, harte Kontraste im Waggon, farbiges Licht, weiße Kleidung und ein heller Himmel. Die Kamera liefert mir über diese Unterschiede hinweg genau die Flexibilität, die ich gesucht habe.
Die Nachteile der Sony a7R V
So begeistert ich von der Kamera bin: Die hohe Auflösung kommt mit einem Preis. Einige Nachteile sollte man vor dem Kauf realistisch einplanen.
Große Dateien und teurer Speicher
Ein Shooting belegt bei mir aktuell ungefähr 60 GB, obwohl ich nicht unkomprimiert, sondern mit einem komprimierten RAW-Format in voller Auflösung arbeite. Sony bietet bei der a7R V „Komprimiert“, „VerlustfKom(L/M/S)“ und „Unkomprimiert“ als getrennte RAW-Optionen an. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Dateigröße, Qualitätsanspruch und Arbeitsweise ab.
700 bis 1.000 Bilder pro Shooting müssen nicht nur auf die Speicherkarte passen. Sie landen anschließend auf dem Rechner, im Arbeitslaufwerk und in den Backups. Dadurch steigen die Anforderungen an Karten, Kartenleser, SSDs, Archivspeicher und Sicherungskopien gleichzeitig.
Ich bin deshalb auf schnellere SD-Karten umgestiegen. Beide Kartenschächte der a7R V unterstützen außerdem CFexpress Typ A. Diese Karten nutze ich bisher noch nicht; sobald die Preise für mich attraktiver werden, werde ich mir das Thema noch einmal ansehen. Im Moment funktionieren schnelle SD-Karten für meine Portraitshootings gut genug.
Menü und Haptik brauchen eine kurze Umgewöhnung
Wer jahrelang mit der a7 III gearbeitet hat, erkennt vieles wieder – und greift anfangs trotzdem erstaunlich oft daneben. Die a7R V fühlt sich ähnlich an, aber fast jeder Bereich ist ein kleines bisschen anders. Die Menüstruktur ist moderner, Tasten und Einstellmöglichkeiten haben sich verändert und auch das Display eröffnet neue Arbeitsweisen.
Nach fünf Shootings habe ich die Kamera inzwischen gut im Griff. Die ersten Einsätze waren trotzdem eine Umstellung. Mein Rat wäre, eine neue Hauptkamera nicht zum ersten Mal bei einer Hochzeit oder einem einmaligen Auftrag zu verwenden. Ein paar freie Portraitshootings sind die deutlich entspanntere Gelegenheit, das eigene Tastenlayout, die AF-Einstellungen und die Speicherkonfiguration aufzubauen.
Rauschen bei hoher ISO
Im direkten Vergleich wirkt die a7 III bei hoher ISO auf Pixelebene teilweise etwas ruhiger. Das überrascht bei der deutlich höheren Pixeldichte der a7R V nicht. Gleichzeitig ist ein 100-%-Vergleich nicht die ganze Wahrheit: Werden beide Bilder auf dieselbe Ausgabegröße skaliert, rücken die Unterschiede zusammen, und die zusätzliche Auflösung kann bei der Nachbearbeitung helfen.
Für meine überwiegend bei Tageslicht entstehenden Portraits ist das kein entscheidender Nachteil. Wer regelmäßig sehr dunkle Veranstaltungen fotografiert und extrem hohe ISO-Werte benötigt, sollte diesen Punkt aber mit eigenen RAW-Dateien und der eigenen Bearbeitung testen.
Rolling Shutter beim elektronischen Verschluss
Der elektronische beziehungsweise lautlose Verschluss ist die größte Einschränkung, die ich bei bewegten Motiven und Veranstaltungen im Hinterkopf behalte. Bei schneller Bewegung von Motiv oder Kamera können Formen verzerrt werden. Unter flackerndem Kunstlicht oder kurzen Lichtimpulsen können zusätzlich Streifen entstehen. Sony weist im Handbuch ausdrücklich auf beide Effekte hin.
Bei ruhigen Portraits stört mich das kaum. Auf Hochzeiten, bei schneller Bewegung oder unter problematischer LED-Beleuchtung fotografiere ich jedoch nicht gedankenlos lautlos, sondern prüfe die Situation und wechsle bei Bedarf auf den mechanischen Verschluss. Rolling Shutter ist damit kein Grund gegen die Kamera – aber ein Punkt, den man kennen muss.
Meine Kaufempfehlung nach den ersten Shootings
Die Sony a7R V ist für mich eine Topkamera. Ich liebe die Dateien, die Detailwiedergabe, den Dynamikumfang und die Sicherheit, die mir der Autofokus beim Shooting gibt. Sie lässt mir in der Bearbeitung mehr Freiheit und passt gleichzeitig in mein bestehendes System aus a7 III, ZV-E1 und NP-FZ100-Akkus.
Kurz gesagt: Topkamera. Ich liebe sie und würde sie nicht wieder hergeben. Neu ist sie eine leistungsfähige, aber kostspielige Kamera. Gebraucht kann sie – bei sorgfältiger Prüfung – ein besonders interessantes Angebot sein. Für Portraitfotografinnen und Portraitfotografen, die hohe Auflösung tatsächlich nutzen und den zusätzlichen Speicherbedarf einplanen, ist sie meiner Meinung nach auch für die nächsten Jahre eine sehr starke Empfehlung.
Die a7 III muss dafür nicht schlechtgeredet werden. Sie bleibt eine hervorragende Kamera und darf bei mir als Backup weiterarbeiten. Die a7R V ist trotzdem das Upgrade, auf das ich gewartet habe.
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Eine vollständige Übersicht findest du auf meiner Seite Mein Equipment.
Häufige Fragen zur Sony a7R V
Wie viele Megapixel hat die Sony a7R V?
Die Sony a7R V besitzt 61,0 effektive Megapixel. In voller 3:2-Auflösung entstehen Bilder mit 9.504 × 6.336 Pixeln.
Ist die Sony a7R V für Portraitfotografie geeignet?
Ja. Hohe Detailauflösung, Augen-AF, Motiverkennung und große Bearbeitungsreserven machen sie besonders interessant für Portraits, Beauty, Fashion und Editorial-Arbeiten. Der zusätzliche Speicherbedarf sollte allerdings eingeplant werden.
Lohnt sich der Wechsel von der Sony a7 III zur a7R V?
Der Wechsel lohnt sich vor allem, wenn mehr Auflösung, stärkere Crop-Reserven und die modernere Motiverkennung im eigenen Alltag einen konkreten Vorteil bringen. Wer mit 24 Megapixeln auskommt, erhält mit der a7 III weiterhin eine sehr gute und zuverlässige Kamera.
Warum habe ich nicht die Sony a7R VI gekauft?
Die a7R V bietet bereits alles, was ich für meine Portraitfotografie gesucht habe. Außerdem nutzt sie wie meine a7 III und ZV-E1 den NP-FZ100-Akku. Die a7R VI verwendet das neue NP-SA100-System, wodurch ich zwei verschiedene Akkutypen parallel betreiben müsste.
Was bedeutet RAW-L bei der Sony a7R V?
„RAW-L“ ist nicht die Bezeichnung für jedes komprimierte RAW. Sony unterscheidet zwischen „Komprimiert“, „VerlustfKom(L/M/S)“ und „Unkomprimiert“. Das L bezeichnet bei der verlustfrei komprimierten Variante die volle Auflösung.
Welche Nachteile hat die Sony a7R V?
Die großen RAW-Dateien benötigen schnelle Speicherkarten, viel Arbeits- und Backup-Speicher sowie einen leistungsfähigen Rechner. Bei hoher ISO ist das Rauschen in der 100-%-Ansicht deutlicher sichtbar. Beim elektronischen Verschluss können schnelle Bewegung und flackerndes Licht außerdem Rolling-Shutter-Verzerrungen oder Streifen verursachen.
Model-Credits
Caro: @caroem.die
Sarina: @sarina.zmr
Jackie: @jaacki.x
Sarah: @sarahselinadumke