Wenn der Herbst die Arbeit macht — Portraitshooting mit Evelin am Prüfeninger Schloss

Ein alter Torbogen. Eine Allee mit kahlen Stämmen. Ein Feld mit hohem Gras und den letzten Wildblumen des Jahres.

Das Prüfeninger Schloss in Regensburg gehört zu den Locations, die man auf den ersten Blick vielleicht unterschätzt — und die einen dann beim Shooting ziemlich schnell eines Besseren belehren. Die Bilder aus dieser Session haben auf Instagram sofort funktioniert. Deshalb gibt es jetzt den ausführlicheren Blick dahinter.

Warum das Prüfeninger Schloss fast immer funktioniert — und im Herbst besonders

Es gibt Locations, die haben zu jeder Jahreszeit ihren Moment. Das Prüfeninger Schloss ist so eine.

Im Frühling liefert die Allee dieses frische, noch nicht überwältigende Grün, das Portraits sehr schmeichelhaft rahmt. Im Sommer wird das Feld zum satten, fast schon üppigen Hintergrund. Im Winter — wenn alles kahl ist — kommen die Strukturen der Baumstämme und des alten Torbogens am klarsten raus, fast grafisch, fast reduziert.

Aber im Herbst kommt alles gleichzeitig. Das warme, gedämpfte Licht. Die Erdtöne im Gras. Das Rot und Gelb in den Baumkronen. Die letzten Wildblumen auf dem Feld. Der Herbst gibt dieser Location eine emotionale Dichte, die man nicht nachbauen kann — man muss sie nur nutzen.

Was diese Location zusätzlich besonders macht, ist ihre Kompaktheit. Auf relativ engem Raum wechseln sich drei komplett verschiedene Spots ab: der alte Torbogen mit seinem schmalen Gang, die große Baumreihe der Allee, das offene Feld dahinter. Drei völlig verschiedene Bildwelten — und man läuft keine fünf Minuten zwischen ihnen.

Bei diesem Shooting mit Evelin (https://www.instagram.com/evifnk_/) haben wir genau das genutzt: drei Spots, drei Outfits, bewusstes Arbeiten mit dem vorhandenen Licht und dem, was der Herbst von selbst mitbringt. Kein künstliches Setup. Nur das, was die Location hergibt — und die Frage, wie viel man daraus herausholen kann.

Die Antwort hat selbst mich ein bisschen überrascht.

Outfit 1 — Roter Mantel, alter Torbogen

Den Einstieg haben wir am Torbogen gemacht — und das war eine bewusste Entscheidung.

Der schmale Gang mit dem alten Gemäuer liefert sofort eine starke Struktur. Klare Linien, natürliche Rahmung, ein Hintergrund mit Charakter. Gleichzeitig ist es ein Spot, der Orientierung gibt — und das hilft gerade am Anfang eines Shootings, wenn Model und Fotograf noch in den Rhythmus reinkommen.

Das rote Coat hat hier sofort funktioniert. Der Kontrast zwischen dem satten Rot und dem gedämpften Grau des alten Gemäuers — mit dem Efeu und dem Herbstgrün dahinter — war von der ersten Aufnahme an stark. Evelin hebt sich klar vom Hintergrund ab, ohne dass das Bild unruhig wird. Der Hintergrund liefert Tiefe und Charakter, bleibt aber an seinem Platz.

Gestartet haben wir ruhig: einfache Standposen, klarer Blick in die Kamera, sauber ankommen. Das alte Eisengeländer am Torbogen hat dabei gute Dienste geleistet — eine Fläche zur Orientierung, an der Hände und Arme direkt eine Aufgabe haben. Posen wirken dadurch schnell kontrollierter und natürlicher, ohne dass man viel dirigieren muss.

Danach sind wir einen Schritt zurück in den Gang gegangen — mehr Raum, mehr Tiefe, der Blick führt durch den Torbogen hindurch. Die Bildwirkung verändert sich sofort, obwohl man kaum etwas neu aufgebaut hat. Manchmal reicht ein einziger Schritt.

Was mich an diesem Set besonders gefreut hat: Der rote Mantel trägt beides — er ist warm und zugänglich, hat aber gleichzeitig eine klare Präsenz. Evelin bringt genau die Ruhe mit, die dieser Look braucht. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Einfach da.

Aus klaren Grundposen haben wir dann kleine Variationen entwickelt: mal mit direktem Blick in die Kamera, mal nachdenklicher, mal etwas mehr Gewicht auf ein Bein, mal freier mit dem Mantel. Eine starke Serie entsteht meistens nicht dadurch, dass man ständig neue Posen aufbaut — sondern dadurch, dass man eine gute Pose gezielt weiterentwickelt.

Outfit 2 — Dunkel, reduziert, Allee

Für das zweite Set sind wir in die Allee gewechselt — und damit hat sich die Bildsprache deutlich verschoben.

Die Baumreihe gibt dem Bild eine ganz eigene Struktur. Die Stämme links und rechts schaffen eine natürliche Kompositionslinie, der Weg in die Tiefe zieht den Blick automatisch durch das Bild. Das ist eine dieser Locations, bei denen die Umgebung schon fast die Arbeit erledigt — wenn man sie richtig liest.

Das dunkle Outfit — schwarzer Flauschpullover, schwarzer Minirock, Overknee-Stiefel — hat sich nahtlos in die gedämpfte Herbststimmung der Allee eingefügt. Keine grellen Farben, keine Ablenkung. Der Fokus liegt vollständig auf Evelin, auf Haltung, auf Ausdruck.

Gestartet haben wir frontal, mit Blick in die Kamera — der klassische Einstieg, um sich im neuen Spot zu orientieren. Von da aus haben wir die Perspektiven variiert: Dreiviertelansicht, Blick über die Schulter, Seitenansicht. Die Seitenansicht war für mich das stärkste Ergebnis dieses Sets. Der Weg als Hintergrund, die Baumstämme als Rahmen, die klare Linie der Stiefel — das fügt sich zu einem Bild zusammen, das deutlich grafischer ist als ein klassisches Portrait. Weniger Emotion, mehr Statement.

Was available light in einer Allee besonders interessant macht: Das Licht arbeitet für dich. Es fällt weich durch die Baumkronen, es gibt keine harten Schatten, und selbst an einem bewölkten Herbsttag bleibt die Stimmung warm und gleichmäßig. Man muss nur wissen, wo man steht — und wann man auslöst.

Alles fotografiert mit der Sony a7III, in diesem Set hauptsächlich mit dem Sigma 85mm — das gibt der Allee diese komprimierte Tiefe, die den Baumkronen so viel Gewicht verleiht.

Outfit 3 — Graues Strickkleid, Feld

Das letzte Set hat für mich die stärkste Stimmung — und das lag vor allem an der Kombination aus Location, Outfit und Licht zur richtigen Zeit.

Das Feld hinter dem Schloss ist im Herbst ein eigenes kleines Universum. Hohes, trockenes Gras, die letzten Wildblumen, eine weite Sicht mit Horizont dahinter. Und je nach Tageszeit und Bewölkung kann das Licht dort in wenigen Minuten komplett kippen — von warm und golden zu kühlem, diffusem Abendhimmel.

Genau diesen Übergang haben wir erwischt.

Das graue Strickkleid mit dem schwarzen Ledergürtel hat perfekt in diese Stimmung gepasst. Kein knalliger Farbakzent, keine starken Kontraste — stattdessen ein Look, der sich in die Erdtöne der Umgebung einfügt und trotzdem klar heraussticht. Das Gras reicht teilweise bis zur Hüfte, was die Bildkomposition bei den Standaufnahmen sofort interessanter macht: Evelin taucht aus der Landschaft auf, statt nur davor zu stehen.

Den stärksten Moment hat das Hinsetzen gebracht. Evelin sitzt mitten im Feld, umgeben von trockenem Gras und letzten Wildblumen — und das Bild kippt von Portrait in etwas, das sich eher nach einem editorialen Moment anfühlt. Der Fokus liegt ganz auf ihr, während die Umgebung zur natürlichen Rahmung wird, die atmet und nicht dominiert.

Die Nahaufnahmen, die dabei entstanden sind, gehören zu meinen persönlichen Favoriten aus diesem Shooting. Die Herbsttöne im Hintergrund schaffen einen weichen, warmen Bokeh, der Hauttöne und das gedämpfte Grau des Kleides sehr schön zur Geltung bringt. Kein Kunstlicht. Nur das, was die Location und der Moment hergegeben haben.

Was dieses Shooting zusammenhält

Eine Location. Drei Outfits. Drei komplett verschiedene Bildwelten.

Das Prüfeninger Schloss hat in dieser Session gezeigt, was kompakte Locations mit echtem Charakter leisten können: Man bleibt nah zusammen, spart Zeit für Wege — und kann trotzdem ein Shooting aufbauen, das sich nicht wiederholt. Der Torbogen, die Allee, das Feld: Jeder Spot hat seine eigene Energie, seine eigene Lichtstimmung, seine eigene Kompositionslogik.

Der Herbst hat das alles nochmal verstärkt. Die Jahreszeit hat dem Shooting einen roten Faden gegeben, ohne dass man ihn hätte bewusst einbauen müssen — die Farben, das Licht, das trockene Gras machen das von selbst. Man muss nur da sein.

Evelin hat alle drei Looks mit einer Ruhe und Natürlichkeit getragen, die das Arbeiten sehr angenehm gemacht hat. Kein Outfit zu viel, kein Spot zu wenig. Und genau diese Kombination ist es, die am Ende eine Serie entstehen lässt, die mehr ist als die Summe ihrer Einzelbilder.

Die Frage ist nie: Gibt die Location genug her? Die Frage ist: Was macht man aus dem, was da ist.

Das gilt übrigens für fast jede Location — und für fast jeden Look.

Ein Portrait-Shooting anfragen — Regensburg & Oberpfalz

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Keine perfekte Location nötig. Kein aufwändiges Styling-Konzept. Nur gutes Licht, ein Ort, der zu dir passt — und die Bereitschaft, dich auf eine Stimmung einzulassen. Ob klassisch, urban oder genau so natürlich wie dieses Shooting: Ich finde den Ansatz, der zu dir passt.

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Der Look in der Nachbearbeitung — Presets

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Die Stimmung dieser Bilder entsteht nicht nur beim Shooting — sondern auch in der Nachbearbeitung. Für meinen Editing-Workflow nutze ich die Presets von The Classic Presets. Sie ahmen die Ästhetik von analogem Film nach und kommen bei natürlichem Licht in der Portraitfotografie genau dann zur Geltung, wenn man es braucht: Das warme, leicht zurückgenommene Finish, das ich bei Outdoor-Shootings wie diesem suche, lässt sich damit schnell, unkompliziert und konsistent erreichen — ohne dass jedes Bild neu interpretiert werden muss.

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Mein Setup für dieses Shooting

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Urbanes Portraitshooting mit Caro – Behind the Scenes