Winterportraits ohne Sonne — Lost Place, Schnee & natürliches Licht am Steinberger See
Kein Sonnenlicht. Keine blaue Stunde. Nur ein verlassener Eisenbahnwaggon, frischer Schnee — und Licht, das anders ist als erwartet.
Das hier ist ein Shooting, das beweist: Schlechtes Wetter ist oft das beste Wetter für Portraits. Vielen Dank an mein Model Sophia (https://www.instagram.com/sophiadotzler/)
Warum diese Bedingungen so gut funktionieren
Wenn man an einer Location ankommt und der Himmel sieht so aus — grau, flach, keine Sonne, keine dramatischen Wolken — dann fangen viele Fotografen an, sich Sorgen zu machen. Manche sagen das Shooting sogar ab.
Aber in Wirklichkeit können genau solche Bedingungen einige der saubersten und atmosphärischsten Portraits ermöglichen, die man machen kann.
Dieses Shooting mit Sophia fand an einem kalten, komplett bewölkten Wintertag statt. Schnee lag auf dem Boden, die Farben im Wald waren sehr zurückhaltend — und das Licht vom Himmel war weich und gleichmäßig. Und ehrlich gesagt macht genau diese Art von Licht Portraitfotografie oft einfacher. Es ist vorhersehbar. Es ist kontrollierbar. Es verzeiht.
Sophia und ich haben schon ein paar Mal zusammen gearbeitet. Die Stimmung während des Shootings war deshalb entspannt — wir konnten uns stärker auf kleine Details konzentrieren, anstatt jede Pose neu erklären zu müssen.
Wir haben an diesem Tag mehrere Spots genutzt. Wir haben im verlassenen Eisenbahnwaggon begonnen, sind danach zu einer verschneiten Lichtung gegangen, anschließend entlang eines Uferwegs im Wald weitergezogen — und haben das Shooting schließlich auf einer weiteren kleinen Lichtung am Waldrand beendet.
Während des gesamten Shootings haben wir ausschließlich mit natürlichem Licht gearbeitet, einfache Bildaufbauten genutzt und mit verschiedenen Brennweiten die Wirkung der Bilder gestaltet.
Also beginnen wir dort, wo das Shooting gestartet ist — im Eisenbahnwaggon.
Kapitel 1 — Der verlassene Eisenbahnwaggon
Wir haben das Shooting in einem alten Eisenbahnwaggon begonnen, der mitten im Wald steht. Die Atmosphäre dieses Ortes war sofort spürbar. Er hatte dieses typische Lost-Place-Gefühl — abblätternde Farbe, abgenutztes Metall, Graffiti auf jeder Fläche und viele raue Strukturen. Die Location wirkte roh und unperfekt. Und genau deshalb funktioniert sie so gut für Portraits.
Sophias Outfit hat dazu einen sehr schönen Kontrast gebracht. Sie trug eine schwarze Fellblouson-Jacke über einem hellen Rollkragenpullover, kombiniert mit einer schwarzen Lederhose und schwarzen Boots. Das Styling war relativ schlicht — aber gleichzeitig sehr klar und modern. Die dunkleren Elemente der Kleidung haben sich gut vom hellen Fensterlicht im Waggon abgesetzt, während der cremefarbene Pullover geholfen hat, das Gesamtbild ruhig und ausgewogen wirken zu lassen.
Dieser Kontrast zwischen einem modernen Outfit und einer verlassenen, rauen Umgebung sorgt automatisch für mehr Tiefe im Bild — und verstärkt die besondere Stimmung der Location.
Das Licht im Waggon war überraschend einfach zu handhaben. Weil der Himmel komplett bewölkt war, haben die Fenster auf beiden Seiten wie große Softboxen funktioniert. Das Licht kam weich von beiden Seiten und hat sich gleichmäßig um das Gesicht gelegt. Dadurch entstehen sehr sanfte Schatten und natürliche Hauttöne. Wenn das Licht so weich ist, geht es weniger um Technik — und mehr um Positionierung.
Aus Sicht des Bildaufbaus war der Waggon ideal, weil er ganz automatisch starke Linien erzeugt. Die Wände und die Decke führen den Blick des Betrachters direkt in die Mitte des Bildes. Ich habe zunächst mit dem 35mm fotografiert, um die gesamte Tiefe des Waggons zu zeigen und die Symmetrie zu betonen. Wenn Sophia genau in der Mitte steht, entsteht sofort ein sehr klarer visueller Fokus. Danach habe ich zum 50mm gewechselt, um ausgewogenere Portraits zu fotografieren, bei denen die Umgebung weiterhin sichtbar bleibt, der Fokus aber stärker auf Haltung und Ausdruck liegt. Und schließlich kam das 85mm zum Einsatz, um näher heranzugehen und die Strukturen im Hintergrund weicher wirken zu lassen.
Durch den Wechsel zwischen diesen drei Brennweiten bleibt die Serie abwechslungsreich — obwohl man sich die ganze Zeit an derselben Location befindet.
Was dieser Ort zeigt: Ein Lost Place verlangt, dass das Styling eine Entscheidung trifft. Kontrast oder Harmonie? Hier war es Kontrast — und der hat funktioniert. Das schwarze Fell gegen das Graffiti. Das Weiß des Pullovers gegen die dunklen Fensterrahmen. Die Bilder entstehen in dieser Spannung. Nicht trotz der rauen Umgebung — sondern wegen ihr.
Kapitel 2 — Die verschneite Lichtung
Nachdem wir im Waggon fertig waren, sind wir zu einer Lichtung im Wald gegangen. An diesem Tag war sie komplett mit frischem Schnee bedeckt und noch völlig unberührt. Keine Fußspuren, keine Störungen — nur eine ruhige, klare Winterstimmung.
Schnee vereinfacht eine Szene enorm. Der helle Boden bildet eine saubere Fläche im Vordergrund, während der dunklere Wald im Hintergrund für natürlichen Kontrast sorgt. Dadurch hebt sich die Person automatisch vom Hintergrund ab — und das Bild bekommt Struktur, ohne dass man viel verändern muss.
Ein weiterer Vorteil von Schnee ist, dass er wie ein natürlicher Reflektor wirkt. Auch ohne Sonne wird Licht vom Boden zurückgeworfen und hellt die Schatten leicht auf. Dadurch bleiben Hauttöne offen und wirken sehr natürlich. Technisch ist dabei vor allem wichtig, die Highlights im Schnee etwas zu schützen, damit die weißen Flächen Struktur behalten.
Weil die Umgebung hier sehr reduziert war, wurde die Körperhaltung besonders wichtig. Wenn der Hintergrund ruhig ist, fällt jede kleine Veränderung in der Silhouette sofort auf. Schon kleine Anpassungen — eine Gewichtsverlagerung auf ein Bein, ein leichter Winkel in den Schultern, eine kleine Bewegung des Kopfes — verändern die Wirkung des Bildes deutlich.
Ich habe auf dieser Lichtung hauptsächlich mit dem 35mm und dem 85mm gearbeitet. Das 35mm zeigt die Umgebung und die Weite der verschneiten Fläche. Das 85mm hilft, Sophia stärker vom Hintergrund zu trennen — und erzeugt eine ruhigere, intimere Wirkung.
Was diese Location zeigt: Weniger ist mehr. Wenn der Hintergrund still ist, trägt der Ausdruck das Bild.
Kapitel 3 — Der Uferweg im Wald
Als nächste Location haben wir den Uferweg genutzt. Dort lag deutlich weniger Schnee — was normalerweise eine Herausforderung sein kann, wenn man eine winterliche Stimmung beibehalten möchte.
Aber genau hier zeigt sich, wie wichtig der Bildaufbau ist.
Statt sehr weitwinkliger Bilder habe ich enger komponiert und niedrigere Kamerapositionen gewählt. Ich habe die vorhandenen Schneereste im Vordergrund genutzt und den Weg im Hintergrund leicht verschwimmen lassen. Die Bäume links und rechts bilden vertikale Linien und schaffen so eine Art natürlichen Tunnel. Solche Tunnel sind sehr starke Gestaltungselemente — sie führen den Blick automatisch zur Person. Selbst wenn weniger Schnee vorhanden ist, bleibt durch diese Art der Komposition die winterliche Stimmung erhalten.
Hier habe ich vor allem mit dem 50mm und dem 85mm gearbeitet. Besonders das 85mm verstärkt den Tunnel-Effekt, weil es den Hintergrund leicht komprimiert und die Bäume dichter wirken lässt. Dadurch entsteht mehr Tiefe im Bild.
Auch das Styling spielte hier wieder eine Rolle. Die Jacke über den Schultern hat die Silhouette weicher gemacht und das Outfit optisch ausbalanciert. Ohne diese zusätzliche Schicht würde das Bild deutlich härter wirken. Kleine Veränderungen im Styling können die Stimmung eines Portraits sehr stark beeinflussen.
Was dieser Abschnitt zeigt: Wenn die Location weniger hergibt, gibt der Bildaufbau mehr. Nicht die Umgebung entscheidet — sondern wie man sie liest.
Kapitel 4 — Die letzte Lichtung
Für den letzten Teil des Shootings sind wir zu einer weiteren kleinen Lichtung am Waldrand gegangen. Diese Fläche war wieder vollständig verschneit und wirkte etwas offener — zwischen den Bäumen war mehr Raum, und etwas mehr Himmel war sichtbar.
An diesem Punkt haben wir das Outfit leicht verändert. Statt der schwarzen Fellblouson-Jacke trug Sophia nur noch den cremefarbenen Rollkragenpullover — der schwarze Lederrock, die Strumpfhose und die Boots blieben gleich. Diese kleine Veränderung hat die Stimmung der Bilder deutlich verändert. Weniger Schichtung, mehr Klarheit. Vor dem Schnee entstehen dadurch sehr harmonische Farbtöne, die fast ineinander übergehen — während der dunkle Rock weiterhin für eine klare Silhouette sorgt.
Weil diese Lichtung offener war, bin ich mit der Kamera bewusst etwas weiter zurückgegangen und habe mehr Raum um die Person gelassen. Manchmal wirkt ein Bild atmosphärischer, wenn die Person etwas kleiner im Bild erscheint. Der freie Raum rund um das Motiv schafft Ruhe — und gibt dem Bild eine fast cineastische Wirkung.
Was dieser Abschluss zeigt: Ein Outfit-Wechsel muss kein kompletter Look-Wechsel sein. Manchmal reicht eine Schicht weniger — und das Bild erzählt etwas anderes.
Was diese Serie zusammenhält
Vier Locations. Ein Tag. Eine durchgehende Stimmung.
Was mir an diesem Shooting besonders gut gefällt, ist genau das: Obwohl wir sehr unterschiedliche Orte genutzt haben — den verlassenen Waggon, die verschneite Lichtung, den Uferweg und die letzte offene Fläche — bleibt die Bildsprache ruhig und zusammenhängend. Kein Bruch. Kein Moment, der herausfällt.
Winter wird oft unterschätzt, weil viele Fotografen zuerst an fehlendes Sonnenlicht denken. Aber genau dieses weiche, bewölkte Licht kann eine der besten Voraussetzungen für Portraits sein — wenn man auf Bildaufbau, Haltung und Styling achtet.
Die Frage ist nie: Ist das Wetter gut genug? Die Frage ist: Was macht man aus dem Licht, das da ist.
Ein Portrait-Shooting anfragen — Oberpfalz, Schwandorf, Regensburg
Wenn du dir vorstellst, wie dein eigenes Shooting aussehen könnte — schreib mir.
Keine perfekte Location nötig. Kein aufwändiges Styling-Konzept. Nur gutes Licht, ein Ort, der zu dir passt — und die Bereitschaft, dich auf eine Stimmung einzulassen.
Mein Setup für dieses Shooting
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Der Look in der Nachbearbeitung — Presets
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Die Stimmung dieser Bilder entsteht nicht nur beim Shooting selbst — sondern auch in der Nachbearbeitung. Für meinen Editing-Workflow nutze ich die Presets von The Classic Presets. Sie sind speziell auf natürliches Licht und Portraitfotografie ausgelegt — das weiche, zurückhaltende Finish, das ich bei Outdoor-Shootings wie diesem suche, lässt sich damit sehr schnell und konsistent erreichen.
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